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	<description>Abenteurer, Speaker, Autor</description>
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	<title>Norman Bücher</title>
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		<title>Eine Frage der Perspektive</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:21:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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<p>Die blaue Baseball-Cap, seine auffälligen Kopfhörer, die lässig auf seinen Schultern baumeln − das waren die ersten Dinge, die mir an Alex auffielen. Mit seinen buschigen Augenbrauen, den großen braunen Augen und dem Dreitagebart erinnerte er mich an George Clooney. Das war, als ich zwei Stunden zuvor an diesem Freitagnachmittag Plovdiv, im Süden Bulgariens, erreichte, erst kreuz und quer durch die Straßen lief, die Stadt im Laufschritt erkundete, mich treiben ließ, dann an einer Schule vorbeikam und mich spontan entschloss, diese zu besuchen. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn kaum hatte ich den Schulhof betreten, kam mir Alex entgegen. Die Schule sei bereits für heute aus, meinte er in einem sehr guten Englisch. Was ich hier mache, warum ich diese seltsame Laufweste trage, woher ich komme. Die typischen Fragen. Doch Alex stellte weitere Fragen, war ehrlich interessiert. Ob er mir Plovdiv, seine Heimatstadt, zeigen dürfe. Er habe heute Nachmittag nichts mehr vor.</p>



<p>So fing mein ganz persönlicher Stadtrundgang durch die Kulturhauptstadt Europas 2019 an. Wir schlenderten durch die wunderschöne Altstadt, er zeigte mir das Philippopolis-Theater, das antike Stadion. Im Garten des Tsar Simeon, einem schattigen Park, setzten wir uns auf eine Bank. Noch ein Jahr, ein letztes, habe er hier an der Schule, erzählte er mir. In seinen Worten schwang ein wenig Wehmut mit. Danach würde er gerne nach Kalifornien ziehen und von seiner Musik leben. „Ist das dein großer Traum?“, hakte ich nach. Ein Leuchten in seinen Augen gab bereits die Antwort. Menschen durch seine Musik zu inspirieren und seine Geschichte durch Songs zu erzählen, das sei in der Tat sein großer Traum. Momentan lebe er mit seiner Mutter allein in einer kleinen Wohnung. „Das ist mir zu eng, ich möchte raus, ich möchte weg, in den USA ein neues Leben anfangen.“ Seine Stimme wurde eindringlicher, emotionaler. Ich meinte zu spüren, wie er, äußerlich gelassen, innerlich brodelte wie ein Vulkan.</p>



<p>Die Begegnung mit Alex ist stellvertretend für einige, die ich in den letzten Tagen in Bulgarien hatte. Allein an diesem Tag erhalte ich vier Einladungen zu Tee und Essen. Die Menschen sind hier ungemein warmherzig und gastfreundlich. Der bisherige Reiseabschnitt durch Bulgarien zählt für mich zweifellos zu einem der Höhepunkte auf der bisherigen Europa-Etappe.</p>



<p>Zur selben Zeit, ungefähr zwanzig Kilometer vor Plovdiv. Mein Begleiter Achim ist am Fluchen. Wieder einmal wird er abgewiesen. Nur eine Vignette für das Nachbarland Türkei möchte er an einem der Shops erhalten. Ohne Erfolg. Frustriert steigt er wieder in den Bulli und steuert die nächste Tankstelle an, um auch an dieser dieselbe Erfahrung zu machen. Nur wenige Begegnungen habe er bisher gehabt, und in diesen sei es immer schwer gewesen, den Menschen ein Lächeln zu entlocken, berichtete er mir an diesem Abend. Die Menschen seien abweisend, uninteressiert in ihren kleinen, verrauchten Shops gesessen. Auf sein Grüßen beim Betreten habe man nur selten reagiert. Die wenigsten hätten Englisch gesprochen, seine Versuche mit Google-Übersetzer zu kommunizieren, wurden abgewiesen. Er fühle sich in dem Land nicht wohl. Am liebsten hätte er Bulgarien nach dem ersten Tag wieder verlassen. Achim hat Bulgarien aus einem anderen Blickwinkel gesehen und erlebt. Das gleiche Land, fast dieselbe Reiseroute, derselbe Zeitraum und doch komplett unterschiedliche Erfahrungen.</p>



<p>Was ich in dem Augenblick begreife, als mir Achim von seinen Erfahrungen in Bulgarien berichtet: Wie ich meine Umgebung wahrnehme, erscheint aus Läufersicht eine andere zu sein, als aus dem Auto oder dem Bus. Die Landschaften, die nur ganz langsam an mir vorbeiziehen, der feste Kontakt meiner Füße mit dem grauen Asphalt, die unmittelbare Nähe zu den Menschen, das intensive Gefühl im Hier und Jetzt. Einfach eine andere Welt.</p>



<p>Man sagt, Reisen verändere die Wahrnehmung und die Perspektive. Dem kann ich zustimmen. Wer in fremde Länder reist, wird dreifach belohnt: Er lernt die Welt, die Weltbewohner und seine eigene Welt besser kennen. Alexander von Humboldt meinte einmal, dass die gefährlichste aller Weltanschauungen die der Leute sei, die die Welt nie angeschaut haben. Nur, wer die Welt bereist, sieht sie differenziert. Entscheidend dabei ist nicht das nackte Wissen über ferne Länder und andersartige Lebensentwürfe, sondern die dazu passenden Erfahrungen, die ich nur selbst machen kann. Je reicher die Erfahrungen, umso reicher das Selbstverständnis und umso detaillierter der Blick auf das Leben.</p>



<p>Wir Menschen sehen die Dinge ganz unterschiedlich. Jeder schaut durch die einzigartige Brille seiner eigenen persönlichen Erfahrungen und denkt, er sehe die Dinge, wie sie sind. Er denkt, er sei objektiv, aber so ist es nicht. Mit jeder neuen Reise, durch jedes neue Abenteuer verstehe ich immer mehr, dass wir die Welt nicht so sehen, wie sie ist, sondern wie wir sind.</p>



<p>Unser Blick auf die Welt ist immer unvollständig. Wir sehen immer nur einen winzig kleinen, sehr begrenzten Ausschnitt der Wirklichkeit. Und doch lässt sich dieser Ausschnitt ab und an ein wenig vergrößern, der eigene Horizont erweitern. Einfach dadurch, dass ich auf fremde Menschen zugehe, mit ihnen rede, sie beobachte, ihnen zuhöre, von ihnen lerne. Meine grundlegende Überzeugung ist, dass wir von jedem Menschen etwas lernen können.</p>



<p>Jeder Mensch hat seine Geschichte und erzählt sie durch seine eigene Brille. Jede dieser Begegnungen eröffnet mir neue Horizonte. Was mir dabei besonders imponiert: In einem persönlichen Gespräch werden die großen Geschichten und Weltprobleme auf individuelle Schicksale heruntergebrochen. Die Armut wird spürbar durch eine Familie, die mir gegenübersitzt und erzählt, wie sie durch den Krieg alles verloren hat. Die Ungerechtigkeit im Bildungssystem wird sichtbar durch einen jungen Mann, der gerne zur Schule gehen würde, für den es aber keinen Platz mehr gibt. Die Angst vor Ablehnung bekommt ein Gesicht durch ein Mädchen, das sich kaum traut, mir in die Augen zu schauen und das dem Gegenüber misstraut.</p>



<p>Ich frage mich:&nbsp;<strong>Ist es nicht ein großes Geschenk, die Welt aus dem Blickwinkel eines anderen Menschen betrachten zu dürfen? Die Welt durch eine andere Brille zu sehen? Die Perspektive von einem unserer fast acht Milliarden Mitbürger einnehmen zu können? Was verändert sich dadurch für mich? Wie sieht die Welt wohl damit aus? Was sehe ich? Welche neuen Blickwinkel eröffnen sich dadurch?</strong></p>



<p>Eine Möglichkeit, um die Beschränktheit der eigenen Vorstellungen zu überwinden, bietet die Begegnung mit anderen Menschen und deren fremdartigen, von den eigenen Überzeugungen abweichenden Vorstellungen. Solche Begegnungen öffnen und relativieren die eigenen Selbst- und Weltbilder. Je länger ich auf dieser Tour unterwegs bin, desto bewusster wird mir: Die Welt ist bunt, groß, vielfältig. Der Horizont ist weiter, als ich es mir jemals vorgestellt habe. Ich erkenne, dass ich bisher nur einen kleinen Einblick in die wahre Tiefe unseres Planeten erhalten habe. Die Welt erscheint mir von Tag zu Tag immer größer, denn wenn ich etwas aus einem anderen Blickwinkel betrachte, dann sehe ich viel mehr. Auf meinem Weg als Läufer gibt es immer neue Blickwinkel zu entdecken. An jeder Straßenecke, in jedem Dorf, bei jeder Rast. Und irgendwann beginne ich mich selbst mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht verhält es sich oftmals ganz einfach so, wie es Albert Camus zum Ausdruck brachte: „Das Reisen führt uns zu uns selbst zurück“.</p>



<p>Als ich am nächsten Tag Plovdiv verlasse, die nächsten Kilometer unter meine Füße nehme und auf eine wenig befahrene Nebenstraße abbiege, nehme ich über mir einen Vogel wahr, der seine Kreise zieht. Ein großer Vogel − ein Adler oder Bussard vielleicht. Elegant schwebt er in der Luft, seine Flügel ausgebreitet, gleitet er mühelos, ja majestätisch, durch Zeit und Raum. So als ob es keine Begrenzungen gäbe. Wie er wohl die Umgebung von dort oben wahrnimmt? Was er alles sieht? Wie gerne möchte ich mit ihm tauschen, die Welt von oben betrachten, seine Perspektive einnehmen. Nur für einen Tag.</p>



<p>Das ist eines der Kapitel meines neuen Buches „<a href="https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-sachbuch.html"><strong>7 CONTINENTS – Mein Lauf um die Welt, zu den Menschen und zu mir selbst.</strong></a>“</p>



<p>Ein Statement von Alex (inklusive Bild) findest du im&nbsp;<strong><a href="https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-reisebuch.html">Reisebuch von 7 CONTINENTS</a></strong>.</p>
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		<title>Der Junge, der das Eis bricht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:21:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Manchmal sind es die kleinen, eher unspektakulären Geschichten, die eine große Wirkung entfalten und tiefere Erkenntnisse mit sich bringen. Augenblicke, die nicht unbedingt die Welt bedeuten, sondern meinen eigenen kleinen bescheidenen Horizont erweitern. Solch eine Geschichte erlebte ich im tschechischen Šafov. Es sollte der letzte Abend in Tschechien werden, am späten Nachmittag erreichen Achim und ich Šafov, eine 300-Seelen-Gemeinde nahe der Grenze zu Österreich. Wir sind beide hungrig. Nach 50 gelaufenen Kilometern knurrt mein Magen und lechzt nach einem Energieschub. Ob Döner, Pasta, Eintopf − egal, Hauptsache etwas im Magen. Die Stimmung ist etwas angespannt. Wenn ich Hunger habe, bin ich manchmal unausstehlich. Achim parkt seinen T4 Bulli und wir schlendern durch den Ort. Die Auswahl an passenden Lokalitäten ist sehr überschaubar. Es gibt genau ein Restaurant. Große, bunte Sonnenschirme zieren den mit grünen Hecken umrandeten Biergarten. Alles schaut sehr einfach und gleichzeitig gemütlich aus. Wir sind die einzigen Gäste. Auch die Essensauswahl macht es uns einfach: Es gibt nur Pizza. Pizza mit Salami oder Pizza mit Schinken. Wir bestellen beides. Dazu ein kühles Bier.</p>



<p>Die letzten Tage durch Tschechien hatten wir nur wenige Begegnungen mit Menschen. Liegt der Fokus des Projekts noch zu sehr auf dem sportlichen Aspekt? Achim und ich diskutieren darüber bereits seit Tagen. Zwei Wochen sind seit dem Start in Berlin vergangen, und außer einer Handvoll Stimmen haben wir noch nicht viel erreicht. Dazu trägt sicherlich auch die Tatsache bei, dass ich von Natur aus ein eher introvertierter und schüchterner Mensch bin. Auf fremde Menschen zuzugehen und sie anzusprechen, zählt sicherlich nicht zu meinen Stärken. Ich bewundere Menschen, die über diese Charaktereigenschaft verfügen.</p>



<p>Die Pizza kommt. Endlich. Achim und ich fallen über diese her und inhalieren sie förmlich. An einem der Nachbartische hat sich eine kleine Gruppe Männer niedergelassen. Handwerker, wie ich ihrer Kleidung nach urteile. Darunter ein Mann mit weißem Unterhemd und braun gebrannten, tätowierten Oberarmen, der eine Zigarette in der Hand hält. Unsere Blicke treffen sich für einen Moment. Ein kurzes Kopfnicken, mehr nicht. Die Männer reden lautstark, lachen, rauchen. Begleitet von dem einen oder anderen Bier. Der Wirt hat sich mittlerweile zu den Männern gesellt. Achim und ich sitzen nur zwei Tische entfernt, nur ein paar Meter Abstand, doch gefühlt trennen uns Welten. Die Männerrunde scheint uns nicht wahrzunehmen. Klar, wir sind Touristen, Fremde, geht es mir durch den Kopf. Wieder einmal, wie so oft in den letzten Tagen, ziehe ich mich innerlich in meine eigene Welt zurück. Meinen Kosmos reduziere ich auf Achim und unseren Dialog. Ich habe den Drang, aufzustehen, zum Nachbartisch zu gehen und mich zu den Männern zu setzen, doch mir fehlt der Mut. Ich bin auf dieser Reise noch nicht angekommen, innerlich aufgewühlt, unzufrieden mit mir.</p>



<p>Die Tür des Restaurants öffnet sich wieder, ein Junge erscheint. Er geht zum Tisch der Männer und setzt sich dazu. Kurze, dunkelblonde Haare, vielleicht acht, neun Jahre alt. Einen Moment später steht er wieder auf und läuft zwischen den Tischen umher. Fest in der Hand, sein Smartphone. Dabei schaut er immer wieder neugierig zu uns rüber. Er setzt sich wieder an den Tisch der Männer, und wieder streift seinen Blick den unseren. Ein schüchternes Lächeln, ganz kurz, was auch bei mir meine Mundwinkel nach oben gehen lässt. Und wieder äugt er mit wachen Augen zu uns rüber, und ganz langsam kommt er näher und näher zu unserem Tisch. Ein leises „Hallo“, ein paar wenige Worte auf Tschechisch. Was die Verständigung zwischen uns möglich macht: sein Handy. Von oben bis unten zerkratzt, die Marke nicht mehr erkennbar, dient es als Eisbrecher. Er zeigt uns Bilder. Die Fotos sind teilweise nur schwer zu erkennen, das Handy hatte sicherlich schon bessere Zeiten hinter sich. „Family?“, frage ich ihn, was er mit einem breiten Grinsen und eifrigen Nicken bejaht. Mit Händen und Füßen, so verläuft unsere Kommunikation. „What is your name?“ frage ich und zeige auf ihn. Er versteht zunächst nicht, doch dann macht es Klick. „Matti“, bringt er zaghaft hervor. Der Anfang ist gemacht, das Eis gebrochen. Ich erfahre, dass er sieben Jahre alt ist, in die zweite Klasse geht und Fußball über alles liebt. Dann zeigt Matti auf den Mann, der uns bewirtet hat und ruft: „Papa“. So lernen wir Roman, seinen Vater kennen. Während ich mit Roman ein paar Worte wechsle, führt uns Matti schon zum nächsten Gast: David, den Mann mit dem weißen Unterhemd und den braun gebrannten Oberarmen. 41 Jahre, gutes Englisch, arbeitet mit seiner Handwerker-Firma in Österreich. Spontan bietet er uns ein Zimmer zum Übernachten an. Dann steht wieder Matti neben uns. Doch statt seinem Smartphone hat er nun einen Ball in der Hand. Er muss nichts sagen, ich verstehe sofort, was er vorhat. Die nächste Stunde ist Fußballspielen angesagt. Wir kicken, rennen, lachen.</p>



<p>Als ich kurz vor Mitternacht im Gästebett des Gemeindehauses von Šafov liege, gehen mir tausend Fragen durch den Kopf. Wie wäre wohl der Abend verlaufen, wenn nicht Matti auf uns zugegangen wäre? Was wäre passiert, wenn nicht er den ersten Schritt gemacht und das Eis gebrochen hätte? Ich frage mich weiter: Wie viele Begegnungen hatte ich in den letzten Tagen und Wochen nicht wahrgenommen? Wie viele Chancen eines Gesprächs gingen mir durch die Lappen, weil ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt gewesen war? Wann habe ich das letzte Mal einen Fremden angesprochen? Was wäre, wenn ich mir zukünftig eine Scheibe von Mattis Neugierde abschneide? Mich mehr auf Menschen einlasse, aktiv den Kontakt zu Fremden suche?</p>



<p>Ein Spruch, der bei uns in der Küche hängt, kommt mir in den Sinn: „<strong>Sei der Fremde, der unerwartet freundlich ist.</strong>“ Danke, Matti. Genau das warst du für mich.</p>



<p>Das ist ein Kapitel meines Buches „<a href="https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-sachbuch.html">7 CONTINENTS – Mein Lauf um die Welt, zu den Menschen und zu mir selbst.</a>“</p></div>
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		<title>Was eine Sandburg und die Hagia Sofia gemeinsam haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:21:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Was haben eine Sandburg und die Hagia Sofia gemeinsam?</p>



<p>Um diese Frage handelt eines meiner Kapitel in meinem neuen Buch „<a href="https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-sachbuch.html">7 CONTINENTS – Mein Lauf um die Welt, zu den Menschen und zu mir selbst.</a>“</p>



<p>Bisher gab es das Buch ausschließlich und in limitierter Auflage im Rahmen der&nbsp;<a href="https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-box.html">7 CONTINENTS Box.</a></p>



<p>Ab Mittwoch, 17. März 2021 ist das Buch (und auch der&nbsp;<a href="https://www.norman-buecher.de/buecher/7-continents-reisebuch.html">7 CONTINENTS Bildband</a>) auch einzeln erhältlich.<br><strong>Das Besondere</strong>: Die beiden Bücher sind zunächst ausschließlich über mich erhältlich (und nicht im Buchhandel).<br>Wer eine der beiden Bücher bis zum Ostersonntag (4. April 2021) bestellt, erhält eine persönliche Widmung und eine kleine Überraschung.</p>



<p><strong>Okay, was also haben nun eine Sandburg und die Hagia Sofia gemeinsam? Bitte lies selbst…</strong></p>



<p>Meine Mundwinkel wandern immer mehr Richtung Nasenhöhe. Freudestrahlend schaue ich hoch an den wolkenfreien Himmel, an dem die Sonne wie eine Königin thront. Dabei macht sich eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper breit. In mir ist es ganz warm. Es prickelt vom Kopf bis zur Fußspitze. Ich bin völlig losgelöst von allem und brauche nichts in diesem Moment. Meine Beine, meine Arme, meine Füße, mein Kopf − alles fühlt sich ganz leicht an. Ich stehe einfach nur da, direkt vor der Hagia Sofia in Istanbul. Mein Ziel der Europa-Etappe habe ich erreicht.</p>



<p>Ich bin angekommen und irgendwie doch nicht. Die grenzenlose Euphorie, die ich noch vor wenigen Minuten in mir gespürt habe, ist einem Gefühl der Schwermut gewichen. Die Endorphine verwandeln sich immer stärker in eine gewisse Leere. Was soll nun kommen? Mir wird schlagartig bewusst, dass ich am Ziel bin, dass es morgen nicht mehr weitergeht. Es ist wie auf einem Berggipfel, den wir erklommen haben. Oben angekommen, erkennen wir, dass es auf der anderen Seite nur noch bergab geht. Mit meiner Gefühlsachterbahn ging es in den folgenden Tagen nur noch nach unten.</p>



<p>Die Hagia Sophia erhält eine andere Bedeutung, wenn du zuvor bereits über 2.000 Kilometer Anreise per pedes hattest im Vergleich zu einem Pauschaltouristen, der mal eben geschwind mit dem Flugzeug nach Istanbul gekommen ist. In ein Flugzeug zu steigen oder mit dem Auto zu fahren, um ans Ziel zu gelangen, anstatt zu laufen, ist sinnlos, weil das Erlebnis belanglos wird, wenn der Weg schmerzfrei war. Eine Aussicht muss man sich verdienen. Nein, der Weg darf nicht so einfach, nicht so komfortabel sein.</p>



<p>Meine grundlegende Überzeugung ist, dass etwas zu erreichen nicht unbedingt den gleichen Wert hat wie das Erreichte. Wer nur bei schönem Wetter laufen geht und in seiner Wohnung bleibt, wenn es regnet, stürmt oder schneit, verpasst die Hälfte. Vielleicht sogar das Beste. Bekommt man etwas zu einfach, hält die Freude nicht lange an. Wenn ich die Europa-Etappe Revue passieren lasse, so stelle ich fest, dass mir genau die ungemütlichen, von Regen gezeichneten Tage, an denen es überhaupt nicht rund lief, nachhaltig in Erinnerung geblieben sind.</p>



<p>Was ich begriffen habe: Unterwegs zu sein, ist nahezu immer zufriedenstellender, als am Ziel anzukommen. Nicht an der Hagia Sofia, am Zielpunkt, liegt der Sinn, sondern hinter jedem meiner Abertausenden von Schritten davor. Wir wachsen nicht durch das Erreichen eines Ziels, sondern beim Gehen auf dem Weg dorthin. Nicht das eigentliche Ziel ist das Ziel. Nicht auf die Zielerreichung kommt es an. Der Weg ist das Ziel. Denn er führt nicht zum Glück, er ist das Glück.</p>



<p>Wer könnte diese Aussage besser unterstreichen als Kinder, die uns Erwachsenen in diesem Punkt weit voraus sind. An ein Erlebnis mit meiner Tochter kann ich mich noch sehr gut erinnern. Marla war vielleicht drei oder vier Jahre alt, als wir wieder einmal den Wasserspielplatz im Horbachpark in Ettlingen besuchten. Es war ein heißer Sommertag und die Temperaturen luden definitiv zu einer Erfrischung ein. Kaum hatten wir den Spielplatz erreicht, zog sich Marla sofort ihren Badeanzug an und fing an zu spielen. Zunächst schenkte ich dem Ganzen keine große Beachtung. Wenn ich zu ihr rüber schaute, saß Marla im Sand und war voll und ganz ins Spielen vertieft. Nach einer Weile rief sie voller Stolz: „Papa, Papa, schau mal, was ich da gebaut habe!“ Ich ging zu ihr rüber und erkannte nun, was sie da erschaffen hatte: eine riesengroße Sandburg. Mit vier Türmen, einem großzügigen Burggraben, durch den das Wasser lief und einer dicken Mauer, die um die Burg führte. Zufrieden saß sie im Sand und schaute mich mit strahlenden Augen an. „Wow, das hast du wunderbar gemacht, meine Große. Ich bin so stolz auf dich“, bewunderte ich ihr Werk. Die Sandburg war ihr mehr als gelungen. Als ich noch dabei war, die Details der Sandburg genauer zu betrachten und das Kunstwerk fotografisch festzuhalten, passierte das für mich Unfassbare. Marla stand auf, drehte sich zur Burg und machte sie mit ihren Füßen kaputt. Wie ein Bulldozer ging sie über ihr so aufwendig und liebevoll gestaltetes Werk hinweg. Keine zehn Sekunden später war von der Sandburg nichts mehr zu sehen.</p>



<p>Ich war sprachlos und verstand ihr Verhalten überhaupt nicht. „Was machst du da? Warum machst du die wunderschöne Sandburg kaputt?“, stieß ich hervor. Doch Marla ignorierte meine Fragen und war schon auf dem Weg zur Rutsche. Was ich als Erwachsener damals nicht verstanden habe: Meine Tochter war nicht am Ergebnis interessiert, sondern am Erlebnis. Der kreative Entstehungsprozess, das Bauen der Burg, hat sie erfüllt. Für sie lag die Freude im Tun selbst. In dem Moment, als die Burg fertig war, wurde das Spiel uninteressant. Wie oft fixieren wir uns in unserem Leben auf eine Sandburg? Und wie häufig erfreuen wir uns am Entstehungsprozess? Was mir meine Tochter an diesem Tag vor Augen geführt hat: Das Erlebnis gibt uns auf Dauer mehr als das Ergebnis.</p>



<p>Es ist erstaunlich, wie viele Erwachsene mich nach meiner Zielankunft in Istanbul nach dem Ergebnis gefragt haben. Wie viele Kilometer ich genau gelaufen sei, in welcher durchschnittlichen Geschwindigkeit ich unterwegs war, was das Ergebnis von den Antworten sei. Zahlen, Daten, Fakten. Alles muss messbar, quantifizierbar und belegbar sein. Wir Erwachsenen neigen dazu, den Erfolg eines Vorhabens nur nach klar messbaren Kriterien zu beurteilen. Als ich in Istanbul angekommen bin, bin ich ziemlich genau 2.300 Kilometer in 54 Tagen durch acht Länder gelaufen und habe über 5.000 Stimmen von jungen Menschen gesammelt. Doch was sagen diese Zahlen schon aus? Die wenigsten fragten mich, was ich genau von den jungen Menschen gelernt habe, welche Erkenntnisse ich gewonnen habe, welche Begegnung mich am meisten beeindruckt hat, wie sich der Himmel im Laufe der Tour verändert hat. Ich denke, manche Dinge im Leben lassen sich nicht in Zahlen, Daten, Fakten ausdrücken, sondern geschehen einfach auf dem Weg. Im Erleben. Im Tun.</p></div>
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		<title>Drei Wörter, die die Welt bedeuten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:21:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Es fühlt sich schon etwas seltsam an. Die Uhr zeigt 13.30 Uhr an, ich liege hier auf der Wiese und döse vor mich hin. Ein paar Meter weiter fließt die Donau. Gleichmäßig und ruhig. Ich befinde mich auf einem Campingplatz in der Nähe von Belgrad. Es ist einer der wenigen lauffreien Tage während der Europa-Etappe. Ich genieße den Zustand, einfach nur dazuliegen und nichts zu tun. Eine Wohltat für Geist und Körper. Ich lasse meine Beine baumeln, schaue in den wolkenfreien Himmel und nippe an meiner Wasserflasche.</p>



<p>Am Vormittag waren Theo und ich an der Deutschen Schule in Belgrad und sprachen mit den Schülerinnen und Schülern über die Zukunft, über Veränderung, über Glück. Ein Element bei jeder Veranstaltung sind die sieben Fragen, mit denen sich die jungen Menschen während eines Vortrags beschäftigen. Dafür erhalten sie ein kleines Büchlein, in das sie ihre Antworten schreiben können. Das Ziel dabei: Die Antworten der Kinder und Jugendlichen werden veröffentlicht und geteilt.</p>



<p>Die Antworten der jungen Menschen interessieren mich. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine neue Stimme lesen darf. Ich schnappe mir eine Handvoll der Büchlein und fange an zu lesen. Die Antworten der Kinder sind ganz unterschiedlich. Manchmal steht da nur ein Wort, ein anderes Mal bekomme ich eine ganze ausgefüllte Seite überreicht, die eine Antwort ist tiefschürfend, fast schon philosophisch, die andere ganz einfach. Das eine Kind hat seine Botschaft durch ein Bild oder eine Skizze kundgetan, das andere durch eine Frage oder Gegenfrage. Und das Nächste hat gar nichts geschrieben.</p>



<p>Ein Büchlein erregt meine besondere Aufmerksamkeit. Es stammt vom zehnjährigen Luis. Auf der ersten Seite stehen zunächst sein Name, sein Alter und das Land. Dann folgen die sieben Fragen. Die letzte in der Reihenfolge ist die Frage nach der Botschaft: Was möchtest du den Staats- und Regierungschefs gerne mitteilen? Beim Lesen seiner Antwort kribbelt es auf meiner Haut. Sie drückt genau das aus, was vielen jungen Menschen auf der Seele liegt. Ich lese seine Antwort noch einmal, lege dann das Büchlein für ein paar Sekunden beiseite und greife es mir erneut. Ich habe kein konkretes Bild von Luis im Kopf, habe den Jungen vielleicht nur flüchtig während des Vortrags heute wahrgenommen.</p>



<p>Luis, dieser kluge kleine Mann, schrieb etwas, was normalerweise selbstverständlich ist und im Alltag gewöhnlich nicht weiter beachtet wird. Ein Thema, womit wir uns Erwachsene oftmals schwertun. Eine Fähigkeit, die wir häufig vernachlässigen. Seine Antwort klingt so einfach, so einleuchtend und ist gleichzeitig manchmal so unglaublich schwer umzusetzen. Weil wir bewerten, beurteilen, urteilen. Weil wir uns selbst nicht zurücknehmen wollen, weil wir kein ehrliches Interesse an unserem Gegenüber haben. Manche sagen, es sei die Brücke zur Empathie. Helmut Schmidt sprach von einer Tugend, die jedem Politiker dringend zu wünschen sei. Goethe meinte gar, es sei eine Kunst.</p>



<p>Luis drückt mit seiner Botschaft an die Staats- und Regierungschefs das aus, worum es im Kern bei 7 CONTINENTS geht. Was die Essenz des Projekts ist. Besser hätte ich es nicht formulieren können. Drei Wörter. So klar, so prägnant, auf den Punkt gebracht:</p>



<p><strong>„Hört uns zu!“</strong></p>



<p>Das ist ein Kapitel meines neuen Buches „7 CONTINENTS – Mein Lauf um die Welt, zu den Menschen und zu mir selbst“, das am 25. November 2020 erschienen ist.</p></div>
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		<title>Wir haben alle viel mehr gemeinsam, als uns trennt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:21:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Während ich diese Zeilen in meinem Büro in Waldbronn schreibe, spüre ich eine Gänsehaut, die sich auf meinem ganzen Körper breit macht. Mein Herz schlägt schneller. Es prickelt in mir vom Kopf bis zur Fußspitze, wenn ich an den kommenden Mittwoch denke. Es ist ein Tag, auf den ich mich bereits seit Wochen und Monaten freue. Wie ein kleines Kind, kann ich es gar nicht erwarten, dass der 25. November 2020 endlich kommt. An diesem Tag erblickt die 7 CONTINENTS Box und meine beiden neuen Bücher das Licht der Welt. Es ist ein besonderer Moment, die Eindrücke, Erlebnisse, Einsichten, Erfahrungen und Stimmen der jungen Menschen aus der 1. Etappe von 7 CONTINENTS durch Europa mit euch zu teilen.</p>



<p>Die vergangenen Wochen und Monate waren nicht immer einfach für mich. Gleich an zwei Büchern zur selben Zeit zu arbeiten, hat meine persönliche Grenze verschieben lassen. Ich war häufig innerlich aufgewühlt und die Nächte waren stellenweise kurz. Nun freue ich mich umso mehr, beide Bücher in wenigen Tagen herauszubringen.<br>Um unsere Zukunft und die Europa-Etappe meines Projekts 7 CONTINENTS – darum geht es in den Büchern. Im Reisebuch (Bildband) beschreibe ich meinen Weg von Berlin nach Istanbul, was ich auf den 2300 Kilometern erfahren habe, welchen Menschen ich getroffen habe. Es geht vor allem um die Stimmen der jungen Menschen, um ihre Sichtweisen, Zukunftserwartungen, Träume, Ängste und Wünsche. Neben dem Bildband gibt es ein inspirierendes Sachbuch mit wertvollen Denkanstößen für das eigene Leben. Anregende Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse, Einsichten, Beobachtungen, kleinere und größere Geschichten. Was ich auf meiner Reise von Berlin nach Istanbul, durch die Begegnungen und Gespräche über mich und das Leben gelernt habe.</p>



<p>Die beiden Bücher sind meine bisher persönlichsten, die ich geschrieben habe. Sie bedeuten mir sehr viel. Deshalb habe ich mich entschlossen, sie in einer hochwertigen, edlen Box – der 7 CONTINENTS Box – herauszubringen. Von dieser Box gibt es genau 777 Stück. Am 25. November 2020 um 19.30 Uhr werde ich die beiden Bücher und die 7 CONTINENTS Box im Rahmen eines Online-Live-Events inklusive Unboxing präsentieren. Es ist eine große Freude, wenn du an diesem Abend dabei bist!</p>



<p><strong>Als kleinen Vorgeschmack findest du nachfolgend einen Auszug aus dem Buch:</strong></p>



<p>Ich sitze, wie so oft die letzten Tage, an einer Tankstelle und mache eine Pause. Im Süden Bulgariens bin ich mittlerweile angekommen. Die letzte Ortschaft, die ich vor ein paar Minuten passiert habe, hieß Lyubimets. Hier im ländlichen Bulgarien scheint die Zeit still zu stehen. Nur wenige Menschen mache ich aus. Daher sind kleine Shops und Tankstellen auf meinem Weg ein beliebtes Ziel. Um zu rasten, um durchzuschnaufen, um Menschen zu begegnen. Die eisgekühlte Cola lässt die sommerlichen Temperaturen etwas erträglicher erscheinen. Vorübergehend zumindest. Die kleine Tankstelle mit zwei Zapfsäulen und einem winzigen Shop ist überschaubar. Als ich aus dem drei mal drei Quadratmeter kleinen Shop wieder nach draußen trete, fällt mir eine Gruppe Jugendlicher auf, die auf zwei Bänken neben der Tankstelle sitzen. Neugierig schauen sie zu mir herüber. Ich gehe zu ihnen hin.</p>



<p>Einer unter ihnen fällt mir sofort auf: Große mandelförmige Augen, breite Schultern, sympathisches Lächeln, eine goldfarbene Kette ziert seinen kräftigen Hals. Sein weißes, eng anliegendes Shirt bildet einen starken Kontrast zu seiner dunklen Hautfarbe. Sein muskulöser Oberkörper, der extrem durchtrainierte Bizeps und die sehnigen Waden lassen darauf schließen, dass er regelmäßig Sport treibt. Als ich mich dem Tisch nähere, steht er auf, macht einen Schritt auf mich zu und hält seine Hand hoch für ein High Five. So lerne ich Norbert, 19 Jahre, Flüchtling aus Guinea, kennen. Ein Fremder − wie ich − in einem fremden Land.</p>



<p>Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei einer ersten Begegnung zweier Menschen die ersten Sekunden über Sympathie oder Antipathie entscheiden. Bei Norbert war es definitiv Ersteres. Wir verstehen uns sofort. Er redet wie ein Wasserfall, akzentfreies Englisch. Jedes Mal, wenn er spricht, kommen seine blitzeblank weißen Zähne zum Vorschein. Norbert erzählt mir seine Geschichte. Dass er vor vier Jahren aus Guinea geflüchtet und zu Fuß, per Anhalter und mit dem Boot nach Europa gekommen sei. Ein halbes Jahr habe die Reise gedauert. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass er nach Bulgarien gehe. Wegen seiner Verwandtschaft und Freunden, die er hier hat. Er fühle sich wohl hier. Um das Gesagte zu unterstreichen, nippt er an seiner Cola und grinst mich mit einem zufriedenen, selbstbewussten Lächeln an.</p>



<p>„Ist das deine Tasche?“, frage ich ihn. Eine große, schwarze Sporttasche, auf dem ein dunkles Handtuch mit goldfarbenen Logo liegt, steht vor ihm. „Ja, ich gehe gleich ins Fitnessstudio. Das mache ich jeden Tag.“ Wir reden über Fitness, die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Sportarten und auch über das Laufen. Sichtlich stolz berichtet mir Norbert, dass er drei Mal die Woche läuft. Gerne hätte er mich noch ein Stück begleitet, doch er sei gleich im Fitnessstudio verabredet. „Mein großer Traum ist es, Bodybuilder zu werden“, sagt er mit stolzer Brust. Vor allem, wie er diesen Satz sagt − ruhig, gelassen und gleichzeitig so bestimmt − imponieren mir.</p>



<p>Wir sitzen noch eine ganze Weile beisammen. Je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto bewusster wird mir, dass uns immer mehr miteinander verbindet. Ich erkenne: Wir lieben beide unsere Familien, teilen die Passion fürs Laufen, trinken gerne Cola, schätzen den Umgang mit Menschen, erfreuen uns beide an der Natur, essen am liebsten Pfannkuchen. Wir haben vieles gemeinsam − außer der Hautfarbe, den Geburtsort und dem Land, in dem wir leben. Ja, wir kommen aus unterschiedlichen Kulturen und von verschiedenen Kontinenten, aber das Wesentliche − die Essenz − dass wir erst einmal Menschen sind, darin sind wir uns unfassbar ähnlich.</p>



<p>Wenn ich so viele Menschen in all ihrer Vielfalt und in so kurzer Zeit treffe wie auf dieser Reise, geht mir durch den Kopf, wie ähnlich wir uns doch trotz allem sind. Wir alle haben Elemente von Schönheit, Dummheit, Intelligenz, Güte, Schwäche, Stärke und Liebe in uns. Wir alle durchlaufen in unserem Leben Phasen von Erfolg und Niederlage, Kummer und Schmerz, Hochs und Tiefs. Wir alle teilen grundlegende Bedürfnisse wie Sicherheit, Geborgenheit, Zugehörigkeit und Anerkennung. Das spiegeln auch die Antworten der jungen Menschen. Ob hier in Bulgarien, in Serbien, Tschechien oder Deutschland − unabhängig von Land und Kulturkreis: Wir teilen dieselben Ängste: Angst vor dem Tod, vor Ablehnung, vor Enttäuschungen, vor Spinnen oder der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Auch bei der Frage, was uns glücklich macht, gibt es unglaublich viele Übereinstimmungen und Gemeinsamkeiten: Gute Freunde, eine intakte Familie, gesund zu sein, in einem friedlichen Land zu leben. So wie der 11-jährige Matti haben es viele junge Menschen in einer ähnlichen Art und Weise ausgedrückt: „Freunde, Familie, Liebe.“</p>



<p>Vielleicht ist die erste Frage nicht die, was uns trennt, sondern vielmehr die, was wir gemeinsam haben? Was ich gelernt habe: Dass jede Kultur für das globale Gleichgewicht von Wert ist, dass man von jedem Menschen etwas lernen kann, dass die eigene Meinung nie Allgemeingültigkeit haben darf. Ohne die Verschiedenartigkeit der Lebensformate, Sichtweisen und Blickwinkel gäbe es kaum einen Grund zum Reisen. Andreas Altmann schreibt mir in seinem Buch „Sucht nach Leben“ aus der Seele: „Erst wenn ich − die europäische oder türkische Dunkelbirne − sinnlich, also mit allen Sinnen begreife, dass der andere Mensch mir so ähnlich ist, ein armes Schwein ist, getrieben von Ängsten und dem Hunger nach dem Leben, erst wenn ich die furchterregenden Gedanken zulasse, dass ich um kein Haarbreit der bessere Mensch bin, erst dann entsteht etwas wie Versöhnung und die Begabung, den anderen zu sehen, ihn wahrzunehmen.“</p>



<p>Nach mittlerweile mehr als 2.000 gelaufenen Kilometern quer durch Europa habe ich die Einsicht gewonnen, dass im anderen viel von uns selbst steckt. Indem ich im Gegenüber zunächst den Menschen erkenne − unabhängig von seiner Hautfarbe, der Religionszugehörigkeit oder der Größe seines Geldbeutels, der mir hilft, mehr zu sein als ich selbst, so ist diese Erkenntnis ein Quantensprung.</p>



<p>Wir haben alle viel mehr gemeinsam, als uns trennt. Während ich hier im Süden von Bulgarien weiter Richtung türkische Grenze laufe und immer mehr in meinen Gedanken versinke, frage ich mich, ob es schon ein Beweis dafür ist, wenn uns zwischen zwei Menschen − dir selbst und einem Fremden – nur ein einziger Unterschied auffällt, wie unglaublich viel wir dann gemeinsam haben müssen.</p>



<p>Die Passion für den Sport. Das ist eines der Dinge, die Norbert und mich verbindet. Viel mehr, als ein oberflächlicher Unterschied uns je trennen könnte. Sie lieferten die Basis für ein Gespräch, ein Näherkommen, vielleicht sogar für eine Freundschaft. Was ich aus der Begegnung mit Norbert gelernt habe: Statt wie Kinder vor einem Rätselbuch immer nur nach Unterschieden zu suchen, sollte ich zukünftig viel mehr Zeit damit verbringen, Gemeinsamkeiten zu betonen und zu feiern. Sind es nicht die Gemeinsamkeiten, welche die Brücken zwischen den unterschiedlichsten Menschen bauen? Ohne einen Blick für das, was uns verbindet, driften wir nur immer weiter auseinander − in Filterblasen, Subkulturen, Nationalitäten und Kontinenten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Dies ist ein Auszug aus meinem neuen 7 CONTINENTS Reisebuch, welches am 25.11. im Rahmen eines Online-Live Events das Licht der Welt erblicken wird. Ich werde es im Live Event vorstellen und inklusive Unboxing präsentieren.</p>



<p>Sei auch du dabei am 25.11. um 19:30 Uhr.</p></div>
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		<title>Das Leben, ein langer Abenteuerlauf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:13:30 +0000</pubDate>
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<p>&#8222;Mann, war das eklig heute!“ Noch immer regnet es, wie bereits den ganzen Tag. Und den Tag zuvor. Es schüttet wie aus Kübeln, das Thermometer zeigt dabei lausige 10 Grad an. Alles ist grau in grau. Es ist kurz nach 20 Uhr, Achim und ich sitzen im Bus. Es ist Tag 12 der Europa-Etappe. Knapp 580 Kilometer habe ich bereits in den Beinen. Wir sind am frühen Abend in Nový Rychnov angekommen, einer 1.000-Seelen-Gemeinde, 120 Kilometer südöstlich von Prag. Abseits des Dorfes haben wir einen ruhigen Stellplatz an einem Feldweg gefunden. Die Wege haben sich durch den vielen Regen in Schlammpisten verwandelt. Meine Laufschuhe sind von einer dunklen matschigen Pampe umzogen, das ursprünglich tiefe Blau der Schuhe ist einem undefinierbaren Braunton gewichen.</p>



<p>Achim und ich sitzen im Bus, der Regen prasselt ununterbrochen auf das Autodach, die Fensterscheiben sind beschlagen, die Standheizung läuft auf Hochtouren. Trotzdem ist mir kalt. Ich wickle mich in meinen dicken warmen Schlafsack ein, meine Laufklamotten habe ich zum Trocknen im Auto verteilt aufgehängt. Die Nässe ist allgegenwärtig und zehrt an meinen Nerven. Die Stimmung ist am Gefrierpunkt angelangt, meine Gefühlslage im Keller. Das Wetter trägt zweifellos seinen Teil dazu bei. Aber nicht nur. Die letzten Tage hatte ich extrem wenige Begegnungen mit Menschen. Vor allem junge Menschen waren kaum auszumachen. Und gerade die Gespräche mit diesen sind der Schwerpunkt des Projekts. Die Situation schlägt mir auf den Magen. Nur widerwillig schiebe ich mir eine Handvoll Nüsse in den Mund. Ich bin am Zweifeln. Wie und wo erreiche ich junge Menschen? Liegt der Fokus noch zu sehr auf dem sportlichen Aspekt? Was kann ich anders machen? In meinem Kopf arbeitet es. Während ich durch die mit schweren Regentropfen gesprenkelte Scheibe nach draußen schaue und mir meine Beine mit Pferdesalbe einmassiere − ein Ritual, das ich mir bei Mehrtagesläufen zu eigen gemacht habe − stelle ich das komplette Projekt infrage. Was werde ich wohl schon allein verändern können? Wird 7 CONTINENTS überhaupt etwas bewirken? Ein Gefühl von Ohnmacht überfällt mich. Nur in dieser verregneten Pampa zu laufen − ohne Begegnungen, ohne Menschen, ohne ein Gespräch − kommt mir in diesem Augenblick so unglaublich sinnlos vor. Frustriert liege ich auf meiner Matratze und starre an die Decke. Ein Gefühl der Resignation macht sich in mir breit.</p>



<p>Bei einem langen Lauf wie von Berlin nach Istanbul treten zwangsläufig Probleme auf. Körperliche Schmerzen, mentale Tiefs, gesundheitliche Probleme. Das Knie zwickt, der Magen ist verstimmt, der Kopf müde, ein Gefühl von Heimweh überfällt mich. Solch ein Lauf ist ein Stück weit vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt, bei der Hoch und Tiefs im Wechsel auftreten. Du wirst auf dieser Reise durchgeschüttelt und durchläufst unterschiedlichste Gefühlslagen.</p>



<p>Es hat viele Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, dass ein Laufabenteuer ein Prozess ist. Dass sportliches Wachstum, mentale Stärke, geistige Reife und persönliche Weiterentwicklung mit Zeit und Geduld einhergehen. Dass es häufig zwei Schritte vorwärts, dann wieder drei Schritte zurückgeht, um auf die nächste Entwicklungsstufe zu gelangen. Dass Stehenbleiben nicht gleichzusetzen ist mit Rückschritt, sondern eine wichtige Komponente in der Entwicklung darstellt. Dass Hindernisse wie Gegenwind, Dauerregen, körperliche Schmerzen, mentale Tiefs ein fester Bestandteil von langen Läufen sind.</p>



<p>Je länger ich laufe, desto deutlicher erkenne ich: Das Meistern von Schwierigkeiten während eines langen Laufs erinnert mich stets daran, dass ich auch die Schwierigkeiten in meinem Leben meistern kann.</p>



<p>Dazu hat sicherlich auch meine Erfahrung beim Jungle Marathon in Brasilien beigetragen, der als einer der gefährlichsten Abenteuerläufe der Welt gilt. 222 Kilometer in sechs Etappen galt es bei diesem Rennen zurückzulegen. Durch den dichten Amazonas Regenwald. Hüfttiefe Sümpfe, handgroße Spinnen, fleischfressende Pflanzen und grüne Wände aus gewaltigen Bäumen bildeten eine unheimliche und gleichzeitig faszinierende Kulisse. Der Untergrund war schlammig, lehmig, und ein Labyrinth aus Baumwurzeln, Zweigen und Gestrüpp erwiesen sich als unangenehme Hindernisse. Dazu kamen immer wieder trübe Sümpfe und unangenehme Flussdurchquerungen. Jeder Läufer hatte seine komplette Ausrüstung inklusive Essensvorräte für sieben Tage auf dem Rücken.</p>



<p>Temperaturen von teilweise vierzig Grad im Schatten und eine Luftfeuchtigkeit von fast hundert Prozent gingen brutal an die Substanz und zogen mir den letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Körper. Nach der zweiten Etappe fühlte ich mich bereits so saft- und kraftlos wie eine ausgepresste Zitrone. Plötzlich fing sich alles um mich herum an zu drehen. Mir wurde es auf einmal schlecht und schwindelig. Umgehend begab ich mich zum Ärzteteam. Dort angekommen, brach ich zusammen, zitternd lag ich stundenlang im Zelt, unfähig mich aufzurichten, geschweige denn aufzustehen. Eine Infusion folgte der nächsten. Ich war fix und fertig mit der Welt. Für mich stand umgehend fest, dass ich das Rennen abbreche. Und keine fünf Minuten später war ich „out of the race“.</p>



<p>Antoine des Saint-Exupéry hat meine Erfahrung in Brasilien wie folgt zum Ausdruck gebracht: „Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsse im Leben alles glattgehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.“</p>



<p>Um nochmals das Bild des Dschungels zu bemühen. Das Profil dieses Laufs symbolisiert ein Stück weit unser Leben, denn unser Leben verläuft nicht auf einer ebenen, geraden, asphaltierten Strecke. In unserem Leben geht es immer wieder auf und ab, Hoch und Tiefs wechseln einander ab. Gestrüpp, Weggabelungen, Äste, Dornen versperren die Sicht. Viele Aspekte und Richtungen unserer Lebensreise sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Wir müssen immer wieder anhalten, uns neu orientieren, Kurskorrekturen vornehmen, den Weg anpassen, neue Entscheidungen treffen. Hürden und Hindernisse stellen uns dabei auf die Probe.</p>



<p>Hinfallen, wieder aufstehen und weiterlaufen. Das ist die Kurzformel, die theoretisch und kognitiv so einfach klingt, und doch tun wir uns im wirklichen Leben manchmal so ungemein schwer damit. Kinder sind uns Erwachsenen in diesem Punkt weit voraus und fungieren als unsere Lehrmeister. Meine Tochter hat mir dies vor Jahren, sie war ungefähr zehn Monate alt, sehr lebhaft vor Augen geführt. Als sie ihre ersten Gehversuche unternahm, war es für mich ungemein spannend zu beobachten, wie sie dabei vorging. Sie zog sich an einem Stuhl hoch, stand aufrecht, ging einen Schritt vorwärts, verlor das Gleichgewicht und fiel auf den Boden. Was machte sie dann? Sie gab nicht auf, sondern zog sich am selben Stuhl wieder hoch, etwas mühsam, stand dann wieder, machte erneut einen Schritt, dann einen zweiten, bevor sie ein paar Sekunden später mit ihrem Hintern wieder auf dem Boden landete. Marla hat mir mit ihren zehn Monaten gezeigt, worauf es in unserem Leben ankommt: Laufen. Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weiterlaufen.</p>



<p>Das ist ein Kapitel meines neuen Buches „7 CONTINENTS – Mein Lauf um die Welt, zu den Menschen und zu mir selbst“, das am 25. November 2020 erscheint.</p>
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		<title>Warum ein Mensch mit 105 kg 250 km durch eine Wüste läuft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adina Admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:13:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Oktober 2012 nehme ich bei einem anspruchsvollen und gleichzeitig beeindruckenden Wüstenrennen teil: dem Kalahari Augrabies Extreme Marathon in Südafrika. Dieser Lauf geht über insgesamt 250 Kilometer in sechs Etappen durch den südlichen Teil der Kalahari Wüste. 45 Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Welt sind am Start. Unter ihnen ein junger Mann, der sich [&#8230;]]]></description>
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<p>Im Oktober 2012 nehme ich bei einem anspruchsvollen und gleichzeitig beeindruckenden Wüstenrennen teil: dem Kalahari Augrabies Extreme Marathon in Südafrika. Dieser Lauf geht über insgesamt 250 Kilometer in sechs Etappen durch den südlichen Teil der Kalahari Wüste. 45 Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Welt sind am Start. Unter ihnen ein junger Mann, der sich schon aufgrund seiner äußeren Erscheinung deutlich von den anderen Läufern unterscheidet: Kian aus Singapur. 34 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und fast immer gut drauf. Als ich ihn vor dem Lauf in Johannesburg zum ersten Mal sehe, denke ich: Hmmm, was will denn der hier? Von seinem Äußeren passt er eher zum Sumo-Ringen als zum Laufen. Der bringt mindestens 100 Kilogramm auf die Waage. Wie will denn der mit so einer Statur diesen sehr anspruchsvollen Wüstenlauf bestehen? Das schafft er nie. Absolut ausgeschlossen. Als wir im Hotel unsere Rucksäcke für den Lauf packen, erzählt mir Kian stolz, dass er durch das Training für diesen Lauf bereits 20 Kilogramm abgenommen hätte. Von 125 auf 105 Kilogramm.</p>



<p>Mehr aus einem Verantwortungsgefühl heraus frage ich ihn daraufhin: „Wie viele Marathons bist du denn schon gelaufen?“ Nach meiner Einschätzung hätte jetzt so etwas kommen müssen wie: schon dutzende Marathons und auch schon den einen oder anderen Ultramarathon. Kian aber reagiert völlig verblüfft und antwortet mir: „Ich habe noch keinen einzigen Marathon gemacht. Mein längster Lauf ging über zehn Kilometer.“ Ich denke mir im Stillen: „Wow. Das ist ja mal eine gute Basis für solch einen extremen Wüstenlauf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er aufgibt.“ Für mich ist das ein großes Dilemma, denn ich mochte ihn auf Anhieb und bin froh, dass er bei diesem Rennen dabei ist, aber ich habe – gelinde ausgedrückt – ernsthafte Bedenken. Ich bin wirklich drauf und dran, ihm zu sagen: „Junge, lass mal stecken, genieß einfach die Gegend, achte auf deine Gesundheit und fahr in einem der Begleitfahrzeuge des Organisationsteams mit.“</p>



<p>Wir unterhalten uns noch über Gott und die Welt. Zu Schulzeiten war Kian, der als Verfahrensingenieur in einem Kraftwerk in Singapur arbeitet, sportlich aktiv, engagierte sich bei den Pfadfindern und ging unterschiedlichen Outdooraktivitäten nach. Zum Laufen kam er während seiner Zeit beim Militär. „Da war ich Anfang 20 und habe mit Begeisterung begonnen zu laufen“, berichtet er. „Doch nach den 2,5 Jahren in der Army bin ich sportlich total inaktiv geworden. Bis zu meiner Teilnahme am Kalahari Extreme Marathon.“</p>



<p>Am nächsten Tag geht das Rennen los. Die erste Etappe über 30 Kilometer ist zum Einlaufen gedacht. 40 Grad Celsius, gleißende Sonne, sandige Strecke. Extrem kraftraubend. Und irgendwann, sehr viel später als alle anderen, erreicht auch Kian das erste Lager. Auf der zweiten Etappe über 38 Kilometer geben bereits fünf Läufer auf. Doch Kian hält irgendwie durch, kommt nach 11 Stunden im Lager an. Völlig erschöpft, fix und fertig mit der Welt. Auch die dritte Etappe hält er irgendwie durch. Am vierten Tag steht die Königsetappe an: 79 Kilometer am Stück. 79 Kilometer durch tiefen Sand, durch gnadenlose Hitze und später auch durch die Dunkelheit. Nach 19 Stunden ist der letzte Läufer im Camp angekommen, einige haben aufgegeben, nur einer fehlte überhaupt: Kian. Dann kommt die Nacht. Von Kian keine Spur. Am nächsten Tag geht wieder die Sonne auf. Von Kian immer noch keine Spur. Mich bewegten an diesem Tag zwei Dinge. Zum einen habe ich mir natürlich Sorgen um Kian gemacht. Zweitens, und das gebe ich gerne offen zu, fühlte ich mich auch bestätigt in meiner Einschätzung: Dieser Mann konnte diesen Wüstenlauf nicht bestehen. Völlig ausgeschlossen war das für mich.</p>



<p>Doch als niemand mehr wirklich an ihn glaubt, torkelt er heran und finisht auch die Königsetappe. Hundemüde, völlig dehydriert und geschwächt. 27 Stunden hat er für diesen Abschnitt gebraucht, sich mutterseelenallein durch die Nacht gekämpft und nicht aufgegeben. Alle sind fassungslos. Kian schafft auch noch die letzten zwei Etappen und beendet den gesamten Kalahari Augrabies Extreme Marathon trotz enormen Übergewichts und entgegen aller Vorhersagen. Unglaubliche 73 Stunden und 10 Minuten ist er gelaufen!</p>



<p>Selbstverständlich musste ich ihn, den vermeintlich Ahnungslosen, anschließend fragen, was sein Geheimnis war. Wie hatte er das geschafft? Und warum hatte er sich diese übermenschliche Anstrengung angetan? Was war seine Antwort?</p>



<p>Ebenso einfach wie auch sofort einleuchtend und schön: Ein bedeutendes soziales Projekt in seiner Heimat war der tiefere Hintergrund für seine Teilnahme. Dafür war er über seine Grenzen gegangen. Er war für Kinder in den Waisenhäusern Singapurs gelaufen. Sein Chef Meng, der in Südafrika auch dabei war, spendete für jeden gelaufenen Kilometer zehn Euro für diese Kinder. Immer wenn es ihm extrem schlecht gegangen war, hatte er an diese Kinder gedacht. Das imponierte mir sehr und ich kann mich heute noch lebhaft daran erinnern, wie seine Augen leuchteten, als er mir davon erzählte.</p>



<p>Wir können Kians Geschichte übertragen und diese Sinnfrage auch in anderen Bereichen stellen. Warum liest du diesen Blogbeitrag? Warum gehst du deinem aktuellen Beruf nach? Warum stehst du jeden Morgen auf? Vielleicht hast du dir diese Fragen schon länger nicht mehr gestellt.</p>



<p>Diese Geschichte erzähle ich auch bei meinem Online-Vortrag am 10. November 2020.</p>



<p>Bei diesem Online-Event geht es im Wesentlichen um die Frage des Warums. Was treibt uns an?</p>



<p>Sehen wir uns beim Online Event?</p>
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		<title>Eine Insel für sich</title>
		<link>https://norman-buecher.de/2021/01/25/eine-insel-fuer-sich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jan 2021 05:58:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Rub-al-Khali Wüste im Oman ist der stillste Ort, an dem ich gewesen bin. Mit einer kleinen Gruppe zusammen, bin ich vor ein paar Jahren zu Fuß durch die Wüste gewandert. In dieser monoton sich erstreckenden Landschaft gab es keine von Menschen erzeugten Geräusche, außer denen, die wir selbst produzierten. Jedes Mal, wenn wir eine Pause machten und der Wind nicht wehte, erlebte ich eine ohrenbetäubende Stille. Die Abgeschiedenheit und Einöde der Wüste zogen mich in ihren Bann. Außer der endlosen Weite schien es nichts um mich herum zu geben. Kein Gedränge, keine Hektik, keine Musik, keine Stimmen, kein Lärm. Nichts. Absolute Stille. Ich hörte und fühlte die Stille.</p>



<p>Mit der Stille veränderte sich meine Wahrnehmung. Das eintönige Braun des Wüstensands veränderte sich in unzählige Nuancen von Braun: bärenbraun, braunbeige, blaubraun, eichelbraun, braunorange, braunocker, goldbraun, karamellbraun, schokoladenbraun, zimtbraun, muskatbraun. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Natur über die Zeitspanne, in der ich in der Wüste war, veränderte. Aber ich irrte mich. Die Umgebung blieb dieselbe, ich veränderte mich. Die äußere Stille übertrug sich auf mich, in eine innere Stille. Meine Gedanken wurden leiser, die inneren Stimmen im Kopf ruhiger, das Gedankenkarussell langsamer.</p>



<p>Wenn ich viele Tage zu Fuß unterwegs bin, verändert sich der Charakter einer Tour. Es ist anders als ein halbstündiger Spaziergang oder auch ein Marathonlauf. Die Abhängigkeit von äußerlichen Stimulationen verschwindet, ich bin losgelöst von den Erwartungen anderer, das Laufen bekommt eine innere Bedeutung, nimmt teilweise fast meditative Züge an. Wenn ich laufe, geht es immer darum, Ruhe zu finden, die Probleme zu Hause zu lassen, zu einem Teil meiner Umgebung zu werden, einen Schritt vor den anderen zu setzen.</p>



<p>Zu Hause im Alltag fahren Autos, klingeln Handys, fliegen Flugzeuge, höre ich Stimmen von Menschen oder bellen Hunde. Jemand redet, flüstert, schreit, flucht. Insgesamt gibt es so viele Geräusche, dass ich sie kaum noch wahrnehme. Hier in der Wüste war es vollkommen anders.&nbsp;<strong>Die Natur sprach zu mir, indem sie sich als Stille präsentierte. Je stiller es wurde, desto mehr hörte ich.</strong></p>



<p>Ich wurde immer aufmerksamer gegenüber dieser Welt, von der ich ein Teil davon war. Ich war allein mit meinen Vorstellungen und Gedanken, war voll und ganz in meinem eigenen Leben präsent. Die Welt verschwindet, wenn man darin aufgeht, behauptete der Philosoph Martin Heidegger. Und genau das durfte ich in meinem Leben schon oft erfahren. Beispielsweise auf meinem Weg nach Öttömös. Ich bin den vorletzten Tag in Ungarn. Knapp 35 Kilometer habe ich heute in meinen Beinen, ich laufe auf einer breiten Straße, alle paar Minuten überholt mich ein Auto. Kilometer für Kilometer spule ich auf dieser Straße ab, verfalle nach und nach in einen Trott, in einen Zustand der Monotonie. Wie die sanfte, ruhige Stimme eines Hypnotiseurs bringt mich mein Laufrhythmus in einen Zustand der Entspannung und Stille. Obwohl die Umgebung alles andere als ruhig ist, kehrt in mir Ruhe ein. Bewusst nehme ich meinen Atem wahr, gleichmäßig und ruhig. Ich bin eins mit mir, ganz bei mir, mir selbst genug. Da war sie wieder: Eine Insel der Stille, eine Insel für mich selbst.</p>



<p><strong>Das ist für mich die interessanteste Stille: Diejenige, die in mir ist. Eine Stille, die ich in gewisser Weise selbst schaffe.</strong>&nbsp;Daher suche ich nicht mehr nach der absoluten Stille um mich herum. Die Stille, auf die ich aus bin, ist die Stille in mir.</p>



<p>Was ich erkannt habe: Die Welt auszusperren, bedeutet nicht, seiner Umgebung den Rücken zukehren, sondern im Gegenteil: Es heißt, die Welt ein wenig deutlicher zu sehen, innezuhalten, eine Pause einzulegen, zu reflektieren und das Leben zu lieben.</p>



<p>Der amerikanische Schriftsteller Nathaniel Hawthorne meinte, dass Glück ein Schmetterling sei, der sich immer unserem Griff entzieht, wenn man ihn jagt, der sich aber auf uns niederlässt, wenn wir ganz still dasitzen.</p>



<p>Die Stille ist eine Bereicherung an sich. Es ist eine Qualität, etwas Luxuriöses. Ein Schlüssel, mit dem sich neue Arten des Denkens erschließen. Ich denke dabei nicht an Entsagung oder etwas Spirituelles, sondern an eine praktische Ressource für ein reicheres Leben. Oder etwas einfacher ausgedrückt: Eine Form des Erlebens, die tiefer ist, als nur den Fernseher einzuschalten und sich die Nachrichten anzuschauen.</p>



<p>Eckhart Tolle meinte dazu: „Schau dir einen Baum, eine Pflanze, eine Blume an. Lass dein Gewahrsein darauf ruhen. Wie still sie sind, wie tief im Sein verwurzelt. Lass zu, dass die Natur dir die Stille lehrt.“</p>



<p>Laufen stellt mein Vehikel dar, wenn ich mich in mein Inneres zurückziehen will.&nbsp;<strong>Je länger ich laufe, desto weniger trenne ich zwischen Körper, Geist und Umgebung. Die äußere und die innere Welt gehen nach einer Zeit ineinander über.</strong></p>



<p>Ich stelle mir manchmal die Frage, ob es nicht gut wäre, wenn die Menschen die Gelegenheit hätten, sich ein bisschen zu langweilen. Wenn sie einfach mal nichts tun würden? Wenn sie innehielten und sich darüber wunderten, was sie eigentlich gerade tun?</p>



<p>Bei der Stille geht es darum, das, was man tut, von innen zu betrachten. Zu erfahren und nicht zu viel zu denken. Jeden Augenblick groß genug sein lassen. Nicht durch andere und anderes leben. Die Welt ausschließen und seine eigene Stille schaffen. Beim Laufen, kochen, reden, studieren, lesen.</p>



<p><strong>Das Gegenteil von Stille ist ein Gehirn, das arbeitet und denkt. Wenn wir Ruhe finden wollen, müssen wir aufhören zu denken. Nichts tun.</strong>&nbsp;Die Stille ist ein Werkzeug, um der Umgebung zu entkommen. Dazu habe ich, neben dem Laufen, einen weiteren Weg gefunden: das Dunkelretreat, einem Aufenthalt in völliger Dunkelheit. Mithilfe eines Dunkelretreats wird der Fokus gezielt auf das eigene innere Erleben gerichtet. Drei Tage war ich in völliger Dunkelheit. Allein in einer fremden Wohnung im Taunus. Die ersten Stunden fühlten sich seltsam und eigenartig an. Es gab hier nichts zu tun − außer sich mit sich selbst zu beschäftigen. Es gab kein Ausweichen, keine Ablenkungen, kein Fernseher, kein Internet, kein Social Media, keine Kinder, keine E-Mails, kein Telefon, keine einzige Lichtquelle. Das war wohltuend und zumindest anfangs beängstigend zugleich.</p>



<p>Nach ein paar Stunden wurde mir langweilig. Ich wusste zunächst nicht, was ich tun sollte. Einfach nur dasitzen und meine Gedanken beobachten. Das schien mir anfangs außerordentlich befremdlich. Die Stille und die Dunkelheit schienen mich zu erdrücken. Es war so verdammt schwer, einfach nur dazusitzen und untätig zu sein, wenn nichts geschieht, wenn man allein ist, wenn es still um einen ist. Zuhause entscheide ich mich oft dafür, etwas zu tun, statt die Stille mit mir selbst auszufüllen. Nach und nach verstand ich, dass die Ursache vieler meiner Probleme im Bereich zwischen meinen Ohren zu finden ist.</p>



<p>Durch die Reizarmut entstand etwas Interessantes. Die Wahrnehmungen meiner Sinne verfeinerten sich, und ich nahm fast ausschließlich meine Innenwelt wahr.<br><strong>Ich erkannte, in welchem unglaublichen Gedankenkarussell ich mich befand, wie mein Kopfkino auf Hochtouren lief und mein Gehirn arbeitete, als gäbe es kein Morgen.</strong>&nbsp;Welchen Schlüsselsatz mir Arnold, der mich während der Zeit im Dunkeln betreute, mit auf den Weg gab und der mich seitdem begleitet:&nbsp;<strong>„Das, was du im Außen wahrnimmst, ist eine Projektion deines eigenen Innenlebens“</strong>.</p>



<p>Die meisten Menschen sind so stark im Außen, dass sie ihr Innenleben gar nicht bewusst wahrnehmen. Sie halten die Stille nicht aus. Die Stille finden wir dort, wo wir sind: in unserem Kopf. Ganz ohne Kostenaufwand. Wir müssen nicht in eine Wüste reisen oder in ein fernes Land fliegen, wir können Stille auch zuhause auf der Couch erleben. Stille kann überall und jederzeit auftauchen − direkt vor unserer Nase. Ich schaffe sie selbst, wenn ich eine Treppe hinaufgehe, koche oder ich mich einfach darauf konzentriere, wie ich atme. <strong>Ja, wir sind alle Teil eines Kontinents, doch das Vermögen, eine Insel für uns selbst zu sein, tragen wir ständig mit uns herum.</strong></p>



<p>PS: Dieser Blogbeitrag stellt ein Kapitel meines neuen Buches „7 CONTINENTS – Mein Lauf um die Welt, zu den Menschen und zu mir selbst dar“.</p>



<p>Das Buch wird Mitte November 2020 erscheinen.</p></div>
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